Von Fischer-Arkaden zur exklusiven Einkaufsmeile
Die Via Nassa
Die Fussgängerstrasse, die vom Hotel International au Lac zur Piazza della Riforma führt, heisst zuvor „Contrada di Nassa“ und ist nahe am See gelegen das Wohngebiet von Fischerfamilien. Der Name „Nassa“ geht auf die typische, trichterförmige Fischreuse zurück, die traditionell aus geflochtenem Weidenholz oder Schilf hergestellt wird.
Die charakteristischen Arkaden der Strasse erzählen von einer langen Geschichte handwerklichen Könnens. Seit dem 19. Jahrhundert, mit dem Aufkommen des Tourismus und der Nähe zur Seepromenade, wandelt sich die Gasse in eine elegante Flaniermeile für Fussgänger.
Heute gilt die Via Nassa als Symbol für Luxus: Hier reihen sich Boutiquen der Haute Couture, Juweliere und renommierte Uhrengeschäfte, ein Angebot, um das selbst deutlich grössere Städte Lugano beneiden.
In der Stadtchronik sind Zeitungsbeiträge aus den frühen 20-iger Jahren des letzten Jahrhunderts nachzulesen, die von Renovations- und Verschönerungs-Arbeiten im Zentrum von Lugano berichten.
Unter dem Titel „Verschönerungen“ lesen wir im Corriere del Ticino: „Durch den Abriss der Häuser an der Via Gerolamo Vegezzi öffnet sich ein neuer, sehr bequemer Durchgang von der Via Perseghini zur Via della Posta; und das Zollgebäude beginnt von den Vorzügen zu profitieren, die ihm seine zentrale Lage bietet, die bis anhin jedoch zu isoliert war. Der bauliche Aufschwung dieser Zeit lässt hoffen, dass bald auch die Häuser entlang der neuen wichtigen Verkehrsachse instand gesetzt werden.“
Tatsächlich fokussieren sich die Zeitungsbeiträge auf die Via Nassa. Die Gazzetta ticinese bezeichnete sie am 30. August 1924 als die „Gran Via“, weil „ihre unzähligen Geschäfte, das stete Kommen und Gehen von Fremden, die sich in Sprachen aus aller Welt unterhalten, und der unablässige Verkehr den Eindruck der grossen Madrider Strasse vermitteln, die Greco und Valverde zu ihrer beliebten Operette inspiriert hat“.
Am 26. August schreibt Popolo e libertà von einer „ausgezeichneten Initiative“: „Es ist bekannt, wie lästig die Unterbrechung für Fussgänger ist, die an den Arkaden der Via Nassa durch die kleinen Gassen entsteht, die die Strasse kreuzen und zum Quai führen. So sehr, dass sie in Lugano spöttisch die ‚Regenarkaden‘ genannt werden. Nun wird dieses Ärgernis auf Initiative der Herren Clericetti und Vanini zumindest teilweise beseitigt. Die beiden Hauseigentümer haben beschlossen, den Durchgang mit einem Glasdach zu überdecken. Es wäre wünschenswert, dass die Eigentümer der angrenzenden Häuser dasselbe tun.“
Die Gazzetta ticinese weist darauf hin, dass „die Überdachung des längsten Abschnitts zwischen den Gebäuden Primavesi und Magatti fehlt, da Frau Magatti jegliche Reparaturen an ihrem Haus verbietet. Vielleicht müsste hier die Gemeinde eine Lösung finden, damit die Fussgänger an Tagen mit Regen oder Schnee die Via Nassa entlang gehen können, ohne ständig ihren Schirm öffnen und schliessen zu müssen.“
Bibliographie und Quellen:
- Associazione Via Nassa Lugano - vianassalugano.ch
- Mazzantini & Associati SA Lugano, sig. Roberto Mazzantini
- La Rivista di Lugano